15.10.2014

Ein Jahr danach

Neumexiko ist das »Land der Verzauberung« - da ist was dran

Vor einem Jahr bin ich in Santa Fe angekommen. Aber der Jahrestag soll kein Anlass für einen Rückblick sein. Man muss nach vorne schauen. In diesem Fall heißt das: Was würde ich machen, falls ich noch einmal die Gelegenheit habe, Neumexiko zu besuchen?


Mein ursprüngliches Besichtigungsprogramm habe ich fast vollständig geschafft. Zu den wenigen Sehenswürdigkeiten, die ich verpasst habe, gehört Puye Cliff Dwelling. Das sind die Ruinen einer in die Klippen gehauenen Siedlung, in denen zwischen 900 und 1500 die Vorfahren der heuten Santa-Clara-Pueblo-Indianer lebten. Die Stätte liegt zwar nur eine knappe Autostunde von Santa Fe entfernt, aber es war einfach kein Platz mehr im Kalender.



Der Rail Runner im Bahnhof von Santa Fe
Ohne Auto geht es in Neumexiko kaum, aber immerhin gibt es in Santa Fe einen Bahnhof und einen regelmäßig verkehrenden Zug, den New Mexico Rail Runner (eine Referenz an den Nationalvogel der Neumexikaner, den Roadrunner). Der Zug fährt mehrmals täglich nach Belen, einer Kleinstadt südlich von Albuquerque. Dort gibt es nicht viel zu sehen außer einem Eisenbahnmuseum, aber auf der Strecke dorthin ist viel, viel Landschaft. Albuquerque ist natürlich auch ein Grund auszusteigen.

Neu ins Programm kämen die Ruinen von Chaco Canyon, auch eine alte Siedlungsstätte der Anazasi, der Vorfahren der heutigen Pueblo-Indianer. Ich weiß gar nicht mehr, warum ich mir dieses imposante Denkmal (Weltkulturerbe) nicht schon für die erste Fahrt vorgenommen habe, wahrscheinlich auch wegen der langen Fahrzeit von mehr als drei Stunden. 

Als Science-Fiction-Fan wäre ein Besuch in Roswell Pflicht gewesen. Dort soll mal ein Ufo abgestürzt sein. Aber die Fahrt dorthin hätte drei Stunden gedauert, und richtig etwas zu sehen gibt es dort wohl auch nicht - bis auf ein Ufo-Museum und jede Menge Reklame-Aliens. Ich habe mich damit begnügt, ein paar Roswell-Postkarten zu kaufen, wie hier bereits zu lesen war. Also, auch für das nächste Mal ist Roswell nicht die allererste Wahl.

Ganz anders sieht es da mit Blackwater Draw in der Nähe des Städtchen Clovis aus. Das ist die Stelle, wo in den 1930er Jahren die erste Clovis-Pfeilspitze gefunden wurde. Es wurde angenommen, dass dies die Hinterlassenschaften der ersten Menschen waren, die vor rund 13000 Jahen von Sibirien über Alaska in das Gebiet der heutigen USA gekommen sind. Inzwischen ist das nicht mehr unumstritten. Die Konferenz, die ich in Santa Fe besucht habe, befasste sich ja gerade mit diesem Thema. Nach wie vor wird an dieser Stelle geforscht und ausgegraben. Da dürfte sich ein Besuch lohnen. Fahrzeit von Santa Fe aus: vier Stunden.

Schließlich gibt es dort noch den Spaceport America, den ersten privatwirtschaftlich betriebenen Weltraumbahnhof. Dahinter steckt Richard Branson, der mit dem Plattenlabel Virgin Records ziemlich reich wurde. Noch starten von dort keine Raketen, und man kann den Spaceport besichtigen. Ist vielleicht nicht so spannend wie Cape Canaveral, liegt dafür aber in Neumexiko und nicht in Florida -- und zwar auf dem Gebiet einer Stadt mit dem merkwürdigen Namen Truth and Consequences. Es ist eine ziemlich einsame Gegend im Südwesten des Bundesstaats, etwa fünf Autostunden von Santa Fe entfernt.



Water Carrier
von Doug Hyde, 1979
Sicherlich würde ich zu einer anderen Zeit nach Neumexiko fahren, vielleicht im Frühjahr. Zumindest würde ich mich eher nach dem Veranstaltungskalender richten. Im Juli ist in Santa Fe immer das International Folk Art Festival, der weltgrößte Kunsthandwerkermarkt, im August der Indian Market, und es gibt zahlreiche indianische Feste, bei denen auch Nichtindianer zugelassen sind, wie das Mescalero Apache Ceremonial im Juli in der Ortschaft Mescalero.


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Das war's. Jetzt ist genau die richtige Zeit, mit dem Neumexiko-Blog aufzuhören. Weiter geht's erst, wenn die nächste Reise bevorsteht. Zwischenzeitlich lohnt sich aber sicher ein Blick in meinen neuen Blog Gedankensprünge 🔗. Würde mich freuen, wenn wir uns dort wiedersehen