25.03.2013

Neue Spur in die Prä-Clovis-Ära

In diesem Eintrag kommen wir endlich mal zur Sache, das heißt, zum eigentlichen Anlass meines Neumexiko-Trips: der Erstbesiedlung Amerikas. Ihr erinnert euch - im Oktober nehme ich an der Paleoamerican Odyssey Conference in Santa Fe teil, auf der die Experten auf diesem Gebiet drei Tage lang ihre Ansichten vortragen und austauschen.

Vermutlich wird zumindest am Rande ein neuer (umstrittener) Fund aus Brasilien diskutiert werden. In einer Felsenhöhle im  Serra da Capivara National Park in Brasilien wollen Ausgräber einfache Steinwerkzeuge gefunden haben, die rund 22 000 Jahre alt sind (Quellen hier und hier). Sie wären damit rund 9000 Jahre älter als die Clovis-Kultur, die lange Zeit für die älteste amerikanische Kultur gehalten wurde.

Nun ist die Forschung inzwischen ja soweit, dass sie von diesem Clovis-First-Dogma Abschied genommen hat, weil es zu viele Funde aus früherer Zeit gibt. Allerdings geht es dabei nur um zwei- oder dreitausend Jahre, nicht um neun. Außerdem liegt die Fundstelle Toca da Tira Peia in Brasilien. Dorthin zu kommen, brauchte ja auch noch einige Zeit.

Natürlich haben sich auch schon wieder die Kritiker geäußert, die die Fundstücke nicht für menschengemacht halten. Tatsächlich ist es auch für Fachleute nicht immer so einfach, primitive Steinwerkzeuge zweifelsfrei als solche zu identifizieren. Ähnliche Stücke können zum Beispiel entstehen, wenn Felsbrocken herabstürzen. Die Fundstelle in Brasilien liegt am Fuße einer steilen Klippe; da ist Steinschlag nicht ungewöhnlich.

Sollte sich die Datierung bestätigen lassen und Menschen wären tatsächlich schon vor 22 000 Jahren in Brasilien gewesen sein, hätte das ganz erhebliche Auswirkungen für die Forschung. Das Datum würde nämlich die Lücke zu anderen, noch älteren angeblichen Funden verkleinern und deren Datierung weniger unwahrscheinlich machen. Das würde nicht nur das endgültige Aus für Clovis First bedeutend, sondern auch einige neuere Theorien über die Erstbesiedlung Amerikas auf den Prüfstand stellen.

21.03.2013

Eine klare Haltung

Die Stadt Santa Fe hat Stellung bezogen: Aus ihrer Sicht gibt es in Neumexiko kein rechtliches Hindernis für gleichgeschlechtlichen Ehen, sagte der Bürgermeister am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Die Ehegesetze des US-Bundesstaats seien geschlechtsneutral formuliert. Deshalb sollten die Standesbeamten der County-Verwaltung gleichgeschlechtliche Paare trauen und die entsprechenden Heiratsurkunden ausstellen. Eine Resolution in diesem Sinne soll in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 27. März zur Abstimmung eingebracht werden.

Die Standesbeamten zieren sich noch und warten auf ein bundesstaatliches Plazet.

Kritiker werfen der Stadtführung vor, dass sie sich besser um ihre tatsächlichen Aufgaben wie Beseitigung von Schlaglöchern oder bessere Schulen kümmern sollte. Vielleicht unterstellen sie Bürgermeister David Coss auch ein starkes eigenes Interesse, denn er hat eine lesbische Tochter.

Quellen: Stadt Santa FeThe Santa Fe New Mexican,

18.03.2013

Eisenbahn-Romantik II

Es hat ja mit meiner Neumexiko-Reise nur am Rande zu tun, aber ich komme noch mal auf die Atchison, Topeka & Santa Fe Railroad zurück (Eintrag vom 4.3.). Am 25. Januar 1948 ist einer der "Super Chief" genannten Züge, die zwischen Chicago und Los Angeles verkehrten, an seinem Endbahnhof übers Ziel hinausgeschossen, durch eine Mauer gebrochen und schließlich mit der vorderen Doppelachse in der Luft hängengeblieben. Verletzt wurde niemand, heißt es in der Quelle, aber der Lokführer verlor seinen Job.
Übers Ziel hinausgeschossen
Die "Santa Fe" war übrigens auch schon Thema in der SWR-Sendereihe "Eisenbahnromantik", Folge 725 (leider ohne Video).

11.03.2013

Eine Nacht im Freien


Im Bandelier National Monument, einem Schutzgebiet in der Nähe von Santa Fe, das weit oben auf meiner "to visit"-Liste im Oktober steht, hat es einen Zwischenfall gegeben (Bericht im The Santa Fe New Mexican). Eine Frau, die außerhalb der gekennzeichneten Wanderwege unterwegs war, hatte sich verlaufen und musste eine Nacht bei eisigen Temperaturen im Freien verbringen. Am nächsten Tag fand sie aber allein den Rückweg zu ihrem Auto, wo sie bereits von einem Suchtrupp erwartet wurde.
Was die Frau dort verloren hatte? Sie war auf der Suche nach einem Schatz, der angeblich irgendwo in den Bergen in Nord-Neumexiko versteckt worden war.
Wohnhöhlen im Bandelier National Monument
Das ist uns Mitteleuropäern vielleicht nicht so richtig bewusst: Große Teile von Nordamerika sind noch immer Wildnis, richtige Wildnis, in der man leicht verloren gehen kann. Und sie beginnt gleich neben dem nächsten Highway. Man ist als Besucher gut beraten, immer daran zu denken, vor allem, wenn man wie ich allein unterwegs ist.
Ich frage mich jetzt, ob die Frau kein Handy dabei hatte, um Hilfe zu holen, oder ob es dort einfach kein Handynetz gibt.

Das Bandelier National Monument ist rund 135 Quadratkilometer groß; davon gelten 95 Prozent als Wildnis. Hauptattraktion sind in die Tuffstein-Steilwände hineingehauenen Wohnhöhlen der Vorfahren der Pueblo-Indianer.

07.03.2013

Ein paar Worte über Santa Fe

Santa Fe ist die Hauptstadt des US-Bundesstaats New Mexico. Die Stadt wurde 1610 von den Spaniern gegründet und ist damit eine der ältesten europäischen Siedlungen in Nordamerika. Der erste Gouverneurs-Palast steht nach 400 Jahren noch immer und dient heute als Museum. Die Stadt hat etwa 75 000 Einwohner und liegt in rund 2000 Meter Höhe.

Die ursprünglichen Einwohner, die Pueblo-Indianer, siedelten auf dem Stadtgebiet bereits vor etwa 1100 Jahren. In der Sprache der einheimischen Tewa heißt die Stadt Ogha Po'oge. Das bedeutet wohl so viel wie "Ort am Wasser der weißen Muschel"1. Nördlich von Santa Fe liegt der Taos Pueblo, die älteste ununterbrochen bewohnte Siedlung Nordamerikas.

Santa Fe ist eines der beliebtesten Tourismus-Ziele in den USA und nach New York das bedeutendste Kunstzentrum des Landes. In der Stadt gibt es etwa 200 Galerien, ein großer Teil davon in der Canyon Road. Außerdem gibt es eine ganze Reihe interessanter Museen in der Stadt, also viel anzusehen.

Die Stadt war Endpunkt des Santa Fe Trails, eines Handelswegs, der Anfang des 19. Jahrhunderts vom Missouri in das damals von Spanien beherrschte Gebiet führte. Auf ihm kamen Handelsware und Siedler in den Wilden Westen.

Zu den Vereinigten Staaten gehört Santa Fe seit 1848. Das Territorium von Neumexiko wurde 1846 im mexikanisch-amerikanischen Krieg von US-Truppen besetzt und die Annektion zwei Jahre später durch den Vertrag von Guadalupe Hidalgo legitimiert.

1 F. Richard Sanchez (ed.): White Shell Water Place, An Anthology of Native American Reflections on the 400th Anniversary of the Founding of Santa Fe, New Mexico. Sunstone Press, Santa Fe. 2010

04.03.2013

Eisenbahn-Romantik

Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der als Junge fasziniert war von den gelb-roten amerikanischen Dieselloks, die mit etwas Glück zu Weihnachten auf der Modellbahnanlage im Spielwarenladen ihre Runden drehten. Die Züge sahen so ganz anders aus, als das, was auf unseren Schienen fuhr. Ganz groß prangte auf der Stirnseite mit den beiden bulligen Scheinwerfern der Name "Santa Fe". Aus dem Märklin-Katalog erfuhr ich, dass die Loks für die Bahngesellschaft ATSF - Atchison, Topeka & Santa Fe Railroad - fuhren. Leisten konnte ich sie mir damals von meinem Taschengeld nicht.
Der "San Francisco Chief" verkehrte
zwischen San Francisco und Chicago.
Vielleicht, dachte ich mir kürzlich, finde ich ja noch Spuren dieser Loks, wenn ich im Herbst nach Santa Fe komme. Aber die Internet-Recherche brachte schnell die Enttäuschung: Die imposanten Diesellokomotiven1 sind nie nach Santa Fe gefahren, Die Strecke der transkontinentalen Atchison, Topeka & Santa Fe Railroad wurde wegen der schwierigen Geländeverhältnisse südlich an der Stadt vorbei nach Albuquerque und weiter in Richtung Pazifikküste geführt. Es gibt nur eine 1880 fertiggestellte, knapp 30 Kilometer lange Stichstrecke von der kleinen Ortschaft Lamy nach Santa Fe. Dort befördert heute die Santa Fe Southern Railway überwiegend Touristen, die ein wenig Eisenbahnromantik erleben wollen. Außerdem fahren ein paar Güterzüge. Auf einer weiteren Strecke verbindet der New Mexico Rail Runner Santa Fe mit Albuquerque und Belen.

1 Es handelt sich dabei um eine Lok der Baureihe F7 der General Motors Electro-Motive Division (EMD).